Ein Fremder im Bad

Nachdem ich festgestellt hatte, das mein Unterbewusstsein eine Regulierung vorgenommen hatte, um mich vor Überarbeitung zu bewahren, war die Welt wieder in Ordnung.
Zeit, mich in einen passablen Menschen zu verwandeln. Seit etlichen Tagen hatte ich das Bad nur noch betreten, um gewisse Nöte zu erledigen. Dabei hatte ich nicht mal das Licht angemacht, das vom Flur durchscheinende Licht reichte völlig. Nun war Rasur und Körperpflege angesagt. Im Bad benutze ich immer einen Bluetooth- Lautsprecher, den ich aber auch sonst in der Wohnung benutze. Ich schnappte mir den Lautsprecher, war in Gedanken bei einem Schaumbad mit stimulierenden Aromen und Lieblingsmusik dazu. Derart gut gelaunt betrat ich das Bad, machte das Licht an, ging zur Badewanne und …- dann geschah es ! Ich sah aus den Augenwinkeln eine fremde Person. Besser gesagt, ich sah die Person nicht, sondern nur ihr Abbild im Spiegel. Es war eine Horrorfigur. Der Bart eines unfertigen IS Kämpfers, die irren und roten Augen eines Dämons. Die Haare waren in Klumpen in alle Richtungen weisend.
Was das wohl sollte ? Ich hatte die schlimmsten Tage überlebt, mein Unterbewusstsein hatte mich zu meinem Wohle in die Irre geführt, und jetzt ? Stand mir eine neue Prüfung bevor ? War das der Fluch der gelöschten Plugins ?
Ich stand wie erstarrt da, die Gestalt, die ich im Spiegel aus den Augenwinkeln observierte, bewegte sich auch nicht. Was der wohl wollte ? In meinem Bad ! Wie kam er hierher ? Wer war das ? Irgendein Krimineller ? Ein Drogensüchtiger ? Oder gar ein von WordPress Beauftragter ? Ihr kennt bestimmt solche Situationen. In Sekundenbruchteilen drängen sich Fragen auf und man trifft Entscheidungen.
Ich hatte vor 30 Jahren drei Tage Kampftraining gemacht. Ich besann mich also auf diese Fähigkeiten und wählte zu meiner Verteidigung die einzige Waffe, die mir zur Verfügung stand: den Lautsprecher. Diesen schleuderte ich gekonnt und mit Berechnung auf den Kopf des Fremden. Und ich landete einen Volltreffer ! Der Fremde zersplitterte in tausend Scherben !
Und aus jedem Splitter sah mich das Gesicht des Fremden an ! Erstaunt, fassungslos ! Dabei hatte ich den Spiegel erst vor ein paar Wochen erworben und montiert. Woher hätte ich dieses Gesicht mit meiner Person in Verbindung bringen sollen ? Ich hatte noch nie einen Bart getragen. Wie in Gottes Namen sollte ich also wissen, wie ich mit Bart aussah ? Und woher diese roten, irren Augen ? Von sonstigen Aspekten ganz zu schweigen.
Ich sah mir meine Kleidung genauer an . Kleidung war zu viel gesagt. Das Ganze bestand aus einem verkrusteten Etwas, dessen Hauptbestandteile augenscheinlich Zigarettenasche, Kaffee und irgendwelche Essensreste waren.
Nachdem ich in mühevoller Arbeit die Splitter entfernt habe (nicht ohne mich vorher zu rasieren), sitze ich nun entspannt in der Badewanne und sinniere über Gott und die Welt. Dabei drängt sich mir eine Frage auf: was ist , wenn auch wir nur Figuren in einer virtuellen Welt sind? Hat das Schreiben vielleicht doch einen tieferen Sinn ? Hilft es meiner Seele, Frieden und Erfüllung zu finden ?

Und fertig ist der Blog noch immer nicht.

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